Praxis für Physiotherapie, Massage und Manuelle Therapie
John Noordanus
Tecklenburger Weg 1
33428 Harsewinkel

Telefon: (05247) 1 08 51
Fax: (05247) 40 75 97
E-Mail: noordanus@t-online.de

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Sie finden unsere behindertengerechte Praxis in der 1. Etage, die auch per Aufzug erreichbar ist.

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Oder vom ALDI-Kreisverkehr:
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Behandlung nach Vereinbarung

News

Fernsehauftritt der Praxis
WDR Lokalzeit OWL vom 24.08.17 (Ab Minute 11:18).



Wie Rückenschmerzen besser diagnostiziert werden können

Laut DAK-Gesundheitsreport leiden drei Viertel aller Berufstätigen mindestens einmal im Jahr unter Rückenschmerzen. Um die Defizite zu identifizieren, nutzen viele Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sogenannte Motor Control Tests (MCT). Doch bislang ist unklar, welche Testbestandteile ideal sind, um unspezifische Rückenschmerzen sicher zu diagnostizieren. Hier setzt die Masterarbeit von Christoph Biele an, für die der Absolvent des berufsbegleitenden Masterstudiengangs „Muskuloskelettale Therapie“ jetzt mit dem 1. Platz des Wissenschaftspreises des Bundesverbands der selbständigen Physiotherapeuten (IFK) ausgezeichnet worden ist. Dieser ist mit 1.500 Euro dotiert.

Der IFK ehrt seit 2006 jedes Jahr die besten Bachelor- und Masterarbeiten in Bezug auf ein physiotherapeutisches Thema. Die Arbeiten werden von acht Jurymitgliedern (überwiegend Lehrende von verschiedenen Hochschulen) unabhängig voneinander beurteilt. In diesem Jahr gehen gleich fünf der sechs Preise an Absolventinnen und Absolventen der Hochschule Osnabrück. „Dieser Erfolg zeigt nicht nur das breite Spektrum unserer physiotherapeutischen Forschung, sondern auch die hohe Qualität der Abschlussarbeiten“, so der Osnabrücker Professor für Physiotherapie, Prof. Dr. Christoff Zalpour.

Preisträger Biele hat rund 130 Probandinnen und Probanden mit und ohne Rückenschmerzen untersucht und eine bislang aus sechs Bewegungstests bestehende sogenannte Testbatterie auf elf Tests erweitert. „Diese haben in meinen Untersuchungen ein Maximum an diagnostischer Genauigkeit gebracht und sind dazu zeitökonomisch sinnvoll“, so Biele, „Mich reizt das Thema schon lange, da ich bereits seit vielen Jahren in Physiotherapiepraxen arbeite und viele Berührungspunkte mit Rückenpatienten habe.“

Auch die besten Bachelorarbeiten kommen aus Osnabrück

In der Kategorie „Bachelorarbeiten - Klinisch/Experimentell“ hat sich die Jury ebenfalls für Abschlussarbeiten aus Osnabrück ausgesprochen. Lena Lingemann und Svenja Nilsson teilen sich den ersten Preis in Höhe von 1.000 Euro. Die beiden Absolventinnen des Studiengangs „Ergotherapie, Physiotherapie dual“ haben Sängerinnen und Sänger mit und ohne Stimmproblemen untersucht. „Wir wollten herausfinden, ob sich die beiden Gruppen in der Kehlkopffunktion oder in ihrer Haltungs- und Bewegungskontrolle der Nacken-, Kiefer- und Gesichtsregion unterscheiden“, so Nilsson. Dazu haben sie unter anderem Bewegungstests der Nacken-, Kiefer- und Gesichtsregion durchgeführt und die Kehlköpfe manuell auf Schmerzen und Widerstände untersucht. „Wir haben bislang keinen direkten Zusammenhang feststellen können, es würde sich aber lohnen, die Versuche mit einer anderen Gruppenzusammensetzung zu wiederholen“, so die Preisträgerinnen.

Über weitere Preise können sich die Osnabrücker Absolventinnen und Absolventen Daniela von Piekartz-Doppelhofer (2. Platz beste Masterarbeit), Bettina Veit (2. Platz beste Bachelorarbeit - Klinisch/Experimentell) sowie Lukas Reineke und Julius Schwiddessen (2. Platz beste Bachelorarbeit - Literatur/Konzept) freuen.

Die Hochschule Osnabrück bietet vier Bachelor- und vier Masterstudiengänge an, in denen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ihre Abschlüsse erwerben können.

Bachelor: „Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie“, „Ergotherapie, Physiotherapie dual“, "Physiotherapie berufsbegleitend" und „Internationale Physiotherapie“

Master: "Muskuloskelettale Therapie", "HELPP - Versorgungsforschung und Versorgungsgestaltung", "Management in der Gesundheitsversorgung", "Gesundheitsmanagement / Health Management"

Seit neuestem können Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten mit entsprechendem Masterabschluss auch in Kooperation mit der Universität Osnabrück mit physiotherapeutischen Dissertationsthemen promovieren. Bildunterschrift: Großer Erfolg für Absolventinnen und Absolventen der Hochschule Osnabrück: Der Bundesverband der selbstständigen Physiotherapeuten (IFK) hat gleich fünf Abschlussarbeiten ausgezeichnet.

hsg Bochum sucht Menschen mit Knie- und/oder Hüftarthrose

Weltweit die häufigste Gelenk-Erkrankung ist die Arthrose, eine Abnutzung oder ein Verschleiß des Gelenks. In Deutschland sind bei den Personen ab 65 Jahren knapp die Hälfte der Frauen und knapp ein Drittel der Männer von Arthrose betroffen - mit steigender Tendenz. Global gesehen, stellt die Hüft- und Kniegelenksarthrose eine der führenden Ursachen von körperlicher Beeinträchtigung dar.

Ein Projektteam mit Mitarbeiter*innen aus dem Studienbereich Physiotherapie und Master-Studierenden der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum) sucht bis zum 1. Oktober 2019 Menschen mit Knie- und/oder Hüftarthrose, die Interesse an einem individualisierten Trainings- und Beratungsprogramm im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie haben. Die Studie wird ab Mitte September 2019 im Interprofessionellen Gesundheitszentrum (InGe) der hsg Bochum durchgeführt, um die Machbarkeit und die Effekte des Programms zu analysieren.

Zur Teilnahme eingeladen sind Menschen, bei denen eine diagnostizierte Knie- und/oder Hüftarthrose vorliegt, die im Falle der Kniearthrose mindestens 38 Jahre oder im Falle der Hüftarthrose mindesten 50 Jahre alt sind und die keinen Gelenkersatz im betroffenen Gelenk haben oder demnächst erhalten werden. Potenzielle Teilnehmer*innen sollten bereit sein, über acht Wochen ab Mitte September 2019 regelmäßig zwei Mal pro Woche anderthalb bis zwei Stunden in den Räumlichkeiten der hsg Bochum in Untersuchung, Training und Beratung zu investieren und so zum Gelingen der Studie beizutragen.

Teilnahmeinteressierte können gerne zu einem von drei Informationsabenden ins InGe der hsg Bochum kommen, die am 10. September 2019 um 19.00 Uhr, am 25. September 2019 um 18.30 Uhr und am 1. Oktober 2019 um 17.00 Uhr stattfinden.

Wie stark die durch Arthrose hervorgerufenen Beschwerden sind, hängt anders als früher angenommen, nicht allein vom Abbau des Gelenkknorpels ab.

„Entscheidend für die Beschwerden und die Lebensqualität der Betroffenen sind vielmehr auch der Zustand der gelenkumgebenden Muskulatur und die Fähigkeit, Alltagsbewegungen gut steuern zu können“, erläuterte Dr. Christian Thiel, Professor für Physiotherapie an der hsg Bochum mit dem Schwerpunkt ‚Training und Therapie/Prävention‘. „Des Weiteren spielt die Entwicklung geeigneter Strategien im Umgang mit arthrosebedingten Schmerzen eine wichtige Rolle“, ergänzte Franziska Weber, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studienbereich Physiotherapie in dem Projektteam mitwirkt.

„Auf dieser Basis haben sich die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Entsprechende individualisierte Trainings- und Beratungsprogramme zeigen in neuen Studien vielversprechende Ergebnisse“, so Physiotherapie-Professor Dr. Christian Grüneberg.

Bei weiteren Fragen steht Franziska Weber unter folgender Telefonnummer zur Verfügung: +49 (0) 234 77727-692. Oder schreiben Sie eine Mail: franziska.weber(at)hs-gesundheit.de.

Weitere Informationen und detaillierte Angaben, inwiefern dieses Angebot für die Interessierten geeignet ist, sind hier zu finden: www.hs-gesundheit.de/inge

IFA 2019: Eine bessere Haltung am Arbeitsplatz dank neuer Sensortechnik

Ob Schmerzen im Rücken, an Schultern oder Knien: Die falsche Haltung am Arbeitsplatz kann Folgen haben. Helfen kann ein Sensorsystem, an dem Forscher der TU Kaiserslautern und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) arbeiten. Sensoren etwa an Armen, Beinen und Rücken ermitteln Bewegungsabläufe. Eine Software wertet die Daten aus. Über eine Smartwatch gibt das System dem Nutzer direkt Rückmeldung, damit er Bewegung oder Haltung korrigiert. Die Sensoren könnten in Arbeitskleidung und -schuhe eingebaut werden. Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin stellen die Forscher die Technik vom 6. bis 11. September (IFA Next, Halle 26, Stand 324/325) vor.

In gebückter Haltung Bauteile zusammensetzen, regelmäßig schwere Kisten in Regale räumen oder am Rechner dem Kollegen noch schnell eine E-Mail schreiben – während der Arbeit achten die meisten Menschen nicht auf eine ergonomisch sinnvolle Haltung oder einen schonenden Bewegungsablauf. Laut einer Umfrage des deutschen Online-Portals Statista aus dem Jahr 2017 leiden rund 20 Prozent der Befragten mehrfach im Jahr an Rückenschmerzen, 17 Prozent mehrfach in der Woche und 14 Prozent mehrfach im Monat. Fehlhaltungen können aber auch an Hüfte, Nacken oder Knien zu dauerhaften Schmerzen führen.

Abhilfe kann künftig eine Technik schaffen, an der ein Forscherteam des DFKI und der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) derzeit arbeitet. Zum Einsatz kommen Sensoren, die einfach an verschiedenen Körperstellen wie Armen, Wirbelsäule und Beinen aufgebracht werden. „Diese messen unter anderem Beschleunigungen und sogenannte Winkelgeschwindigkeiten. Diese Daten werden im Anschluss von unserer Software verarbeitet“, sagt Dr. Gabriele Bleser, die an der TUK die Arbeitsgruppe wearHEALTH leitet. Daraus berechnet sie Bewegungsparameter wie zum Beispiel Gelenkwinkel an Arm und Knie oder den Grad der Beugung oder Verdrehung der Wirbelsäule. „Die Technik erkennt dabei sofort, wenn eine Bewegung falsch ausgeführt oder eine falsche Haltung eingenommen wird“, fährt ihr Kollege Mathias Musahl vom Forschungsbereich Augmented Vision/Erweiterte Realität am DFKI fort.

Über seine Smartwatch soll der Nutzer direkt informiert werden, um seine Bewegung oder Haltung zu korrigieren. Die Forscher planen unter anderem, die Sensoren in Arbeitskleidung und -schuhe einzubauen. Interessant ist die Technik beispielsweise für Unternehmen in der Industrie, aber auch im Büroalltag am Schreibtisch kann sie helfen, mehr auf den eigenen Körper zu achten.

Bis die Technik erhältlich ist, wird es noch dauern. Die Arbeiten haben erst vor ein paar Monaten begonnen. Sie sind eingebunden in das Projekt BIONIC, das von der Europäischen Union gefördert wird. BIONIC steht für „Personalized Body Sensor Networks with Built-In Intelligence for Real-Time Risk Assessment and Coaching of Ageing workers, in all types of working and living environments“. Koordiniert wird es von Professor Didier Stricker, Leiter des Forschungsbereichs Augmented Vision/Erweiterte Realität am DFKI. Ziel ist es, ein Sensorsystem zu entwickeln, mit dem sich Fehlhaltungen und andere Belastungen am Arbeitsplatz reduzieren lassen.

Am Vorhaben beteiligt sind neben dem DFKI und der TUK: die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund, das spanische Instituto de Biomechanica de Valencia, das Fundación Laboral de la Construcción, ebenfalls in Spanien, das Forschungszentrum Roessingh Research and Development an der Universität von Twente in den Niederlanden, das Systems Security Lab der griechischen Universität von Piräus sowie die Unternehmen Interactive Wear GmbH aus München, Hypercliq IKE aus Griechenland, ACCIONA Construcción S.A. aus Spanien und die Rolls-Royce Power Systems AG in Friedrichshafen.

Auf der IFA stellt das Team seine Technik vor. Sie präsentieren ihr Projekt am Gemeinschaftsstand des Messearbeitskreises Wissenschaft im Bereich „IFA Next“.

Der Auftritt der Forscher der TU Kaiserslautern auf der Messe wird von Klaus Dosch vom Referat für Technologie und Innovation organisiert. Er ist Ansprechpartner für Unternehmen und vermittelt unter anderem Kontakte zur Wissenschaft.

A winning team: Ergotherapie und Schlaganfall

Die DSG, Deutsche Schlaganfallgesellschaft, bescheinigt Deutschland eine qualitativ hochwertige Versorgung von Patienten mit einem Schlaganfall, was unter anderem den deutschlandweit angesiedelten Stroke Units zuzuschreiben ist. Zu den interdisziplinär aufgestellten Teams dieser Spezialeinheiten gehören Ergotherapeuten, die vom ersten Moment an dabei sind und ebenso bei der Nachsorge eine wichtige Rolle spielen. "Die Nachsorge ist bei einem Schlaganfall entscheidend dafür, wie gut Betroffene in ihrem Alltag und mit ihrem Leben zurechtkommen", betont Tanja Benecke, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V.). Sie legt dar, wodurch sich die ergotherapeutische Herangehensweise bei einem Neglect, der nach einem Schlaganfall auftreten kann, auszeichnet.

Die Auswirkungen nach einem Schlaganfall sind unterschiedlich und hängen unter anderem davon ab, in welchem Teil des Gehirns sich der Vorfall ereignet. Eine für alle - Betroffene, Angehörige und Behandelnde - besonders herausfordernde mögliche Folge eines Schlaganfalls ist der Neglect. Trotz funktionierender Sinnesorgane und Nervenbahnen ist das Gehirn nicht in der Lage, die Signale, die von der betroffenen Körperseite kommen, zu verarbeiten. Menschen mit durch Schlaganfall ausgelöstem Neglect nehmen diese Hälfte ihres Körpers nicht mehr wahr. "Die Orientierung am eigenen Körper ist einfach weg; ebenso die Orientierung im Raum", schildert die Ergotherapeutin Tanja Benecke einen Zustand, den sich Außenstehende kaum vorstellen können. Die Krux: Menschen mit Neglect realisieren dies in den wenigsten Fällen selbst. Sie verstehen nicht, was die Außenwelt von ihnen will, warum Angehörige oder Behandelnde sie ständig korrigieren. Gleichzeitig wundern sie sich, warum sie beispielsweise immer wieder einseitig Gegenstände und Möbel rempeln oder beim Sitzen auf eine Seite kippen.

Neglect: Empathisches Vorgehen wichtig

Die mit dem Neglect einhergehende fehlende Krankheitseinsicht macht für Ergotherapeuten wie Tanja Benecke eine besonders einfühlsame Herangehensweise nötig. Als erstes ist es ihr wichtig, das Vertrauen dieser verunsicherten Patienten zu gewinnen. "Es ist nachvollziehbar, dass ihnen ihre Situation Angst macht. Das erzeugt oft Widerstand", weiß die Ergotherapeutin und betont im selben Atemzug, dass sie und ihre Berufskollegen gerade bei Patienten mit Neglect besonders empathisch sind - auch, um solche inneren Widerstände zu lösen. Sie spüren, wenn Menschen mit Schlaganfall bei ihnen 'angedockt' haben, achten dazu auf deren Körpersprache und Körperspannung. Sie merken, wenn sich diejenigen mit einem Neglect zu öffnen beginnen. Und gehen dann Schritt für Schritt behutsam in ihrer Intervention voran. Um die Wahrnehmung der betroffenen Körperhälfte quasi wieder in Gang zu setzen, wenden Ergotherapeuten Methoden wie beispielsweise Affolter, Bobath oder Perfetti an. Durch sensorischen Input wie festes Berühren oder Drücken der betroffenen Extremitäten bahnen sie etwa mithilfe der von Dr. Affolter entwickelten Systematik im Gehirn der Patienten mit Schlaganfall wieder die Fähigkeit an, Signale dieser Körperhälfte zu verarbeiten.

Ergotherapeutisches Vorgehen: Umwelt und Umfeld berücksichtigen

Um parallel das Geschehen immer mehr in die betroffene Raumhälfte zu lenken, gestalten Ergotherapeuten ab einem bestimmten Punkt des Prozesses die Umgebung entsprechend um. Dazu rücken sie Gegenstände, von denen ein Patient mit einem Neglect weiß, dass sie da sind wie beispielsweise das Trinkglas, auf die Seite, die derjenige im Moment nicht wahrnimmt. Und leiten ihn zum Erforschen dieser Seite an. Oder besprechen mit den Angehörigen, wie sie sich behutsam von der betroffenen Seite nähern. Was macht das mit dem Menschen mit Neglect? "Es ist ein Lernprozess", erklärt Tanja Benecke. "Die Betroffenen stellen in diesem Zusammenhang etwa fest: Oh, da taucht ja meine Frau auf. Oder: Wenn ich mich umdrehe, ist plötzlich der Nachttisch da." Diese sukzessiv herbeigeführten Erkenntnisse stoßen das Lernen im Gehirn an. Man spricht hier von Neuroplastizität: Das Gehirn ist imstande, neue Strukturen zu bilden, neu zu lernen, sich zu reorganisieren und aufzubauen. Mit dem Wissen um solche hirnorganischen Prozesse erweitern und fördern Ergotherapeuten durch ihre speziellen Vorgehensweisen bei ihren Patienten mit Neglect die Möglichkeiten auf der physischen und in der Folge auf der psychischen Ebene.

Ergotherapeuten sorgen für Aha-Effekte, nutzen Hintertürchen

Gerade beim Neglect ist es wichtig, die Patienten konsequent in für sie zunehmend sicheres Terrain zu führen, ihnen immer wieder zu vermitteln, dass ihre Fähigkeiten trotz des Schlaganfalls vorhanden sind, jedoch wiederbelebt werden möchten. "Das funktioniert manchmal auch über Hintertürchen", schmunzelt die Ergotherapeutin Benecke und erklärt anhand eines Beispiels wie sie das angeht. Sie berichtet von einem jüngeren Mann, von dem sie durch die Zusammenarbeit mit den Angehörigen wusste, dass er für sein Leben gerne Tischfußball spielt. Bislang hatte er im Krankenhausalltag seit dem Schlaganfall etwa beim Essen ausschließlich die gesunde Hand eingesetzt. Dass er am Kicker stehend plötzlich mit beiden Händen die Griffstangen umfasste, ist kein Wunder, sondern ebenfalls den Fähigkeiten des menschlichen Gehirns zu verdanken. Dazu die Expertin: "Wenn ich einem Menschen mit Neglect ein Angebot mache, das ihn reizt und lockt, kann er das nötige Können sozusagen aus einer anderen Region des Gehirns abrufen.". Erlebt ein Schlaganfallpatient einen solchen Erfolg, spornt ihn das an, sich auch andere Dinge wieder zu erobern. Auch das für den Alltag nötige Können wie Zähne putzen, Brötchen schmieren und so weiter.

Gefühle und Angehörige beeinflussen Heilungsprozess bei Schlaganfall

Ein weiterer, für den Genesungsprozess bei Neglect wichtiger Aspekt, sind die Gefühle der Betroffenen. Und die werden nicht selten unbewusst von den Angehörigen, oftmals dem Partner, ausgelöst. In bester Absicht zu helfen, nehmen sie dem Ehemann wegen seines Schlaganfalls zu viel ab, schmieren das Brot, weil es ja schneller geht und das Resultat ästhetischer aussieht. Oder setzen die Ehefrau mit Neglect lieber in den Rollstuhl, damit der Einkauf unkomplizierter zu erledigen ist als an Gehhilfen. Manchmal wollen die Versorger auch die Versorgerrolle nicht mehr abgeben oder die Betroffenen wollen nach dem Schlaganfall lieber versorgt werden, als sich selbst anzustrengen. Die Ausprägungen sind vielfältig und individuell so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Ergotherapeuten fragen daher immer wieder wie es läuft - auch innerhalb der Familie und mit dem Partner. Gesprächsführung ist Bestandteil ihrer Ausbildung und so finden sie meist recht schnell heraus, wenn nicht verarbeitete Gefühle wie Wut oder Trauer den Genesungsprozess blockieren. Sie arbeiten mit demjenigen, der durch einen Schlaganfall lernen muss, mit seiner neuen Situation zurechtzukommen auch daran, wie er seine Gefühle zu- und loslassen kann.

Informationsmaterial zu vielen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeuten des DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.); Ergotherapeuten in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes im Navigationspunkt Service und Ergotherapeutische Praxen, Suche.



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